Leserbrief zum Versus April/Mai 2007

Hallo,
zuerst möchte ich vorweg schicken, dass ich mich freue, dass es Blätter wie das Versus gibt um auch immer eine andere Sicht der Dinge einzuholen. Ich lese es oft mit Interesse, da es sich eben von „herkömmlichen“ Medien abhebt.
Insofern erst mal einen Dank an die Herausgeber.
Allerdings stört mich manchmal schon – und um es konkret zu machen: Der Artikel „Warum brauchen wir einen Staat?“ in der Ausgabe April/Mai 2007 – dass Versus nur allzugerne eloquente Prügel austeilt, mit Lösungen, bzw. Alternativen aber oft nicht wirklich dienen kann.
Um bei diesem Artikel zu bleiben:
Selbstverständlich ist die FAZ ein erzkonservatives Blatt und ich muss zugeben, dass ich euer FAZ-Bashing (als solches wird man es wohl bezeichnen müssen) genieße. Der Artikel hat ja auch wirklich z.T. eine gelungene Argumentation und die Bissigkeit stört mich auch nicht. Aber wo bleibt die Schlussfolgerung. Natürlich, man hat die FAZ entlarvt, dass sie von ihrem vorgefertigten Weltbild aus erklärt, dieses auch propagiert. Aber tut Versus etwas anderes außer die Seiten zu wechseln? Wie gesagt, ich finde es gut, wenn man „Selbstverständlichkeiten“ nochmal kritisch hinterfragt, aber dann erwarte ich doch bitte eine andere Schlussfolgerung als diese:
„“… den Markt mitsamt dem staatlichen Gewaltapparat vom Hals zu schaffen …“
Zuerst kann ich nicht wirklich glauben, dass Ihr das Ernst meint. Ich hoffe mal, dass es reiner Sarkasmus war. Man kann sich zwar trefflich über den Nutzen des Militärs streiten – wobei ich denke, dass die Ideologie manchmal auch mal dem Realismus weichen muss – aber ist es denn wirklich Euer Ernst Polizei und Gerichte abzuschaffen?? Der Staat – und da hat die FAZ recht – braucht diese Einrichtungen um die Regeln durchzusetzen, die die Volksvertretung beschlossen hat (Die zumal in Deutschland sehr vernünftig sind, falls sich der ein oder andere von Euch schon einmal mit Gesetzen befasst haben sollte). Niemand, zumindest nicht die Mehrheit, hält sich an Gesetze, wenn er weiß, dass keine Polizei und kein Gericht ihn daran hindern wird . Zudem würde es eben auch in Deutschland zu Privatpolizeien kommen. Und die kann sich auch kein Hartz IV Empfänger, sondern nur ein Vermögender leisten. Ich meine, dass ist offensichtlich!!
Die Schlussfolgerung ist, wenn ich die staatlichen Durchsetzungsorgane des Rechts abschaffen will, schaffe ich faktisch auch die staatlichen Gesetze ab. Was anderes als Anarchie bzw. die Herausbildung einer anderen Staatsform wäre dann die Folge?
Da ich befürchten muss, dass der Verfasser gerade letzte Alternative anpeilt, frage ich mich warum er nicht klipp und klar dazu Stellung bezieht, was seiner Meinung nach denn dann gelten solle? Im Versus kommt manchmal eine gewisse Affinität zum Kommunismus durch. Schön und gut, aber bedeutet das Weniger Staat? Nein, sondern eben die Verstaatlichung aller Produktionseinrichtungen. Außerdem gibt es natürlich auch im Kommunismus Polizei und Gerichte. Genauso, wie in jedem anderen Staat.

Die einzig plausible Lösung des Verfassers bleibt also dann doch die Anarchie. Zumindest ist dies die einzige Form, die mir bekannt ist, in der es weder Markt noch Staat gibt. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Nur würde ich mir wünschen, dass der Versus von einer absolut destruktiven hin zu einer wenigstens im Ansatz konstruktiven Kritik wechselt. Es würde zu Eurer Glaubwürdigkeit und Seriosität beitragen und vielleicht nicht so viele Leser abschrecken….

Ich freue mich über eine Antwort.

MfG
C.S.

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