Kreuz & quer

Chinesen!

Auch wenn alle Welt auf Euren „Markt der Zukunft“ losmarschiert bzw. sich schon kräftig auf ihm breit macht: Aus diesem Profit erwartenden Interesse an Euch gleich zu folgern, dass Ihr jetzt international was zu melden habt, ist ziemlich vermessen. Das jedenfalls die einhellige Beurteilung Eurer Idee, auch noch mitten in der schönen Fußball-WM eine eigene Rating-Agentur mit Namen „Dagong Global Credit Rating Co“ ins Leben zu rufen, die jetzt auch die Bonität, sprich Kreditwürdigkeit der versammelten Staatenwelt (also uns!) begutachtet und Noten verteilt. Den hiesigen Kommentatoren ist eines nämlich arschklar, dass bei dem Ergebnis dieser Bewertung (China vor USA!) selbstredend aus Prinzip grottenfalsches politisches, nämlich chinesisches Interesse federführend war. Und deren Bewertungskriterien im Vergleich zu unseren objektiven, nicht zu bezweifelnden (Finanzkrise hin, Spekulationen her) Kriterien schlichtweg nichts wert sind bzw. gleich: nichts als „politisch motivierter Hokus-Pokus“ (O-Ton Süddeutsche Zeitung am 14.7.2010). Was die Börsen der westlichen Welt auf ihre Weise offenbar auch so sehen und sich in keiner Weise von der chinesischen Anmaßung irritieren lassen: „Die USA nicht mehr Triple-A? Wo bleibt das Erdbeben an den Märkten (…) nicht vorhandene Marktreaktion….“.

Chinesen, merkt Euch: Ihr könnt für uns als milliardenträchtiger Absatzmarkt nützlich sein, indem Ihr gefälligst erstmal Euren Renminbi aufwertet – da verstehen wir keinen Spaß mehr! Bloß, weil Ihr die Hauptabnehmer amerikanischer Staatspapiere seid und deswegen die amerikanische Staatsverschuldung ein gutes Stück von Euch abhängt, zu meinen, Euch als Bewertungsinstanz aufspielen zu können – eine geradezu lächerliche Anmaßung!! Setzen!!!

Die Einkommensschere in Deutschland

klafft in unserem Land „weit auseinander“. Verlautbart jedenfalls die Süddeutsche Zeitung am 15.7.2010. Was soll dem Leser denn jetzt der Vergleich von 359 € (monatlicher Regelsatz für alleinstehende Erwachsene bei ALG 2) bis hin zu 9,8 Mio. € (Jahressalär von J. Ackermann, Dt. Bank) sagen? Ungleich ist sie halt, die Welt. Und angesichts dieses Riesen-Unterschiedes kann er sich die Frage stellen, ob das eigentlich in Ordnung geht, oder ob die da unten nicht doch vielleicht zu wenig und die da oben nicht doch zu viel verdienen. Kurzgefasst also: Verdienen die eigentlich, was sie verdienen? Und schon ist er mitten in einer endlosen moralischen Debatte, in der eines bestimmt nicht vorkommt: Im Kapitalismus gehören Reichtum der einen und Armut der anderen notwendig zusammen: Das Kapital soll wachsen – und die Manager dieser Veranstaltung werden für diesen Job bestens bezahlt. Die anderen arbeiten sich daran ab. Und das auch nur in dem Maß und so lange, wie die Kapitalseite von ihnen profitiert, weshalb sie sich in der Regel am unteren Ende der Einkommensskala befinden bzw., wenn sie sich gar nicht mehr lohnen, in Hartz IV. Alles andere als ein Zufall also, dass die „Schere“ „auseinanderklafft“ – Tendenz steigend.

Passend einen Tag später eine Ankündigung der Regierung: „Mini-Jobber sollen Elterngeld verlieren“. Wo kommen wir denn hin, wenn Menschen, die für ein ordentliches Geschäft nicht mehr gebraucht werden, auch noch beim Vermehren per Staatszuschuss alimentiert werden…?

Fair handeln „gibt mir ein gutes Gefühl“

Behauptet jedenfalls Martin S. aus R. (Reutlinger GA, 9.7.2010). Wobei? Nicht etwa durch den Genuss eines spitzenmäßigen Kaffees, sondern dadurch, dass er in einem Fair-Trade-Laden ordentlich Geld liegen lässt („… dürfen bei ihm teurer sein als normale Ware“). „Normal“ orientiert S. seine Einkäufe am Portemonnaie; kleiner Wermutstropfen folglich: „Natürlich kann ich nicht alles aus fairem Handel kaufen.“ Weil das gute Gefühl den Geldbeutel halt nicht anschwellen lässt. Aber mit „100 Gramm getrockneter Mango, fair gehandelt, 2,99 Euro“ ist die Welt wenigstens in seiner Vorstellung ein bisschen schöner gemacht und S. kann mit gutem Gewissen auf dem Zeug herumkauen. Dafür taugt sein Einkauf dann schon. Und für die moralisch einwandfreie, aber sturzdumme Botschaft, dass es mitten im globalisierten Kapitalismus mitsamt den beschissenen Arbeitsbedingungen, miesen Lebensmitteln und versauter Natur eine Insel der Glückseligkeit gibt – in der man sich ein gutes Gewissen sogar kaufen kann…

„Deutsche Wirtschaft in Partylaune“

frohlockt IFO-Institutspräsident H.W. Sinn (SZ 24./25.7.2010). Zumal, wenn die Stimmung in Sachen Geschäftsklima „völlig unerwartet“ nach oben schnellt. Da werden sich die Damen & Herren Kapitalisten doch wohl ein Schlückchen genehmigen dürfen von wegen „starker Auslandsnachfrage“, „schwacher Euro“, „vermehrte Investitionen in Deutschland“ und „Binnenkonsum“ (Fußball-WM!). Sie müssen jetzt bloß noch dafür sorgen, dass sich ihre Bombenstimmung „mit der realen Entwicklung deckt“. Also, Fußvolk in den Betrieben, hört die Signale: Ranklotzen, damit Eure Herren ihre gute Laune auch behalten! Vielleicht braucht’s ja dann sogar noch ein paar mehr von Euch („leichter Beschäftigungsaufbau“) – als Leiharbeiter, versteht sich, wir wollen ja nicht gleich übertreiben…

Der nicht benötigte Teil der nationalen Arbeitsmannschaft sollte seine Partys allerdings demnächst in die Besenkammer verlegen: „Langzeitarbeitslose (…) müssen sich darauf einrichten, künftig in deutlich kleineren Wohnungen leben zu müssen als bisher“. 45m² als Anspruch für einen Hartz-IV-Empfänger? Da müssen 25m² doch wohl reichen (eine „Anregung“ eines „Expertengremiums“).

In diesem Sinn, H.W. Sinn: Hoch die Tassen!

Botschaften aus der Arbeitswelt – nichts als Egoisten

Am 3.8. gibt der Karikaturist der Süddeutschen Zeitung folgendes zu ‚Prof. Hundts Lohntheorie‘ zum besten:

sz_hundt

Klarer Fall von sturköpfigem Arbeitgeber-Egoismus: Höhere Löhne = höhere Kosten = schlecht fürs Geschäft, egal, wie „die Konjunktur“ gerade läuft.

Eine Woche später dann dies:

sz_buergerAuch hier wieder nichts als Egoismus – hier von Seiten der Arbeitnehmerschaft: Dem deutschen Arbeitsvolk geht’s zu gut. Anstatt sich um die weltbewegenden Katastrophen (sinnbildlich für „das große Ganze“) zu kümmern, brät es feist & fett in der Sonne und regt sich über Nebensächlichkeiten wie die Rente mit 67 auf.

Wie schön, dass dem Leser eine Woche später eine Institution präsentiert werden kann, die beide Seiten zusammenbringt: „Die IG Metall und die Gewerkschaft Verdi verlangen ein Ende des Lohnverzichts. In den nächsten Tarifabschlüssen müsse sich die bessere Wirtschaftslage niederschlagen.“ Verdi-Chef Bsirske legt nach und ruft die Arbeitgeber dazu auf, „die Löhne hierzulande nicht länger als reine Kostenfaktoren“ zu betrachten: „Sie müssen vielmehr als ein Schlüsselinstrument in den Blick genommen werden, um die Nachfrage anzukurbeln und damit nachhaltiges Wachstum zu erzeugen“. Heißt in aller Kürze wohl soviel wie: Werte Arbeitgeber, seht doch endlich ein, dass erhöhte Löhne Euch nützen. Schließlich landet jeder ausgegebene Euro in Euren Taschen und sichert Euer Geschäft.

Allerdings: Wenn der Arbeitgeber den erhöhten Lohn sowieso wieder in Form der verkauften Waren zurückbekommt, wozu sollte er dann Löhne erhöhen? Das wäre ja beinahe so, als würde sich der Unternehmer seine Ware selbst abkaufen. Dann wiederum wäre Kapitalismus nichts als ein Nullsummenspiel, in dem es nicht um Profit, Wachstum etc. ginge. Also hat Hundt mit seiner Sorte Egoismus (siehe erste Karikatur) eigentlich doch recht?

Was denn nun?

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