Populismus

Po|pu|lis|mus, der: Ursprünglich franz. liter. Bewegung (populisme) der späten 1920er Jahre, um den üblichen, den höheren Gesellschaftsschichten gewidmeten Romanen solche vom Leben des einfachen →Volkes* gegenüber zu stellen. Interessiert aber heute kein Schwein.

Herkunft: populus (lat.) = „Volk“ (→populär; Population; Popkultur) = „wir alle“. Als Kategorie grundsätzlich positiv zu sehen. Umkehrung der Bewertung durch Zusatz von „-ismus“: Steht jetzt für „opportunistische Politik, die die Gunst der Massen zu gewinnen sucht“ (Duden); siehe auch Volksverachtung, wissenschaftliche.

Nicht zu verwechseln mit ®Demokratie (griech. für „Volksherrschaft“): Prinzip: „Die Macht geht vom Volk aus“. Vorteil: Dann ist sie halt weg, die Macht, und in den Händen, in die sie gehört; →Herrschaft; Klassenstaat. P. in →Wissenschaft und →Journalismus: Höchst beliebte, wenngleich sinnleere Kategorie zur Aburteilung missliebigen Führungspersonals. Zur leichteren Orientierung präpositional erweiterbar als „Links-P.“ (→H. Chavez, O. Lafontaine) bzw. „Rechts-P.“ (→J. Haider; s.a. Faschismuskritik, falsche): „Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum!“(E. Jandl).

Zusammenhang zwischen P. und →Legiti-mität und ®Stabilität (s.a. Dummheiten, politologische): Einmal an die Macht gekommen (womöglich durch →Wahl; s.a. Analphabetismus, erwünschter; Herrschaft, Zustimmung zur) kann P. die notwendige Trennung der Herrschaft vom Volk (→Subjekt/Objekt) verwässern. Was nicht sein darf.

Sofern die Legitimität nicht ohnehin in Frage zu stellen ist (→Wahlen, „unfreie“), steht die Stabilität dieser Sorte Herrschaft prinzipiell auf Messers Schneide. Was wiederum den Politologen und die Vertreter der 4. Gewalt grundsätzlich stört (→Apologie) oder erwartungsvoll hoffen lässt (→F. Castro).

* Ausführlich dazu:
„Das Volk: eine furchtbare Abstraktion“ in: GegenStandpunkt 1-06, S. 87ff.

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